10. Alles (fast alles) Wissenswertes über St. Gangolf

Überlieferung

In zeitgenössischen Quellen und Dokumenten wird er nicht erwähnt. Seine Legende wird in zwei Viten aus dem 10. Jahrhundert erzählt: Eine anonyme Vita in Prosa und eine Version in Elegischen Distichen der Roswitha von Gandersheim.

 

Legende

Gangolf ist im Auftrage des Königs Pippin als Heerführer und Jäger unterwegs. Er trinkt eines Tages Wasser von einer Quelle, die sich in einem wunderschönen, blühenden Garten befindet. Von diesem romantischen Ort begeistert, beschließt Gangolf das Land zu kaufen. Da er jedoch einen viel zu hohen Preis für das Grundstück bezahlt hat, wird er von seinen Freunden dafür verhöhnt. Doch Gangolf stört sich nicht am Spott, da er dem armen Besitzer nur hatte helfen wollen. Vielmehr lädt er seine lästernden Freunde zu einem prächtigen Festmahl ein. Zuvor aber stößt er im Garten einen Stock in den Boden. Anschließend geht er erst zu den Armen, um ihnen Speise zu bringen, bevor er sich zum Mahl mit seinen Freunden begibt.

Am nächsten Morgen begehrt er Wasser zum Waschen, doch der Brunnen ist versiegt. Gangolf befiehlt seinem Diener in den Garten zu gehen und den Stock aus der Erde zu ziehen. Dieser folgt dem Befehl und erlebt, wie eine Wolke heraufzieht und sich herabsenkt und plötzlich die Quelle wieder sprudelt. Durch das Gebet Gangolfs soll das Wasser zudem heilkräftig geworden sein.

Kurz nach seiner Hochzeit wird ihm berichtet, dass seine Frau Ehebruch mit einem Priester begangen habe. Nach dem Vergehen befragt, beteuert Gangolfs Ehefrau ihre Unschuld. Da Gangolf ihr aber nicht glaubt, verlangt er die Durchführung eines Gottesurteils: Sie muss ihre Hand in das Wasser der Quelle tauchen. Als sie ihre Hand wieder herauszieht, ist diese völlig verbrannt. Gangolf lässt Gnade vor Recht ergehen und gewährt ihr z.T. Verzeihung, schenkt ihr sogar die Hälfte seines Besitzes -- doch darf sie seine Gemächer nicht mehr betreten. Den Priester verbannt er außer Landes. Bald schon jedoch ruft die treulose Ehefrau ihren Liebhaber erneut zu sich. Der Priester eilt herbei, ermordet in der Nacht Gangolf und flieht mit dessen Frau.

Am Grabe des Ermordeten sollen sich kurz darauf zahlreiche Wunder zutragen. Als seine Frau davon erfährt, spottet sie: "Gangolf verbringt ebenso Wunder, wie mein Hintern Lieder singt". Da ereilt sie eine schändliche Strafe, denn kaum hat sie es ausgesprochen, ertönen aus ihrem Hintern unanständige Geräusche. Und so ergeht es ihr fortan an jedem Freitag, dem Todestag des Märtyrers. Sowie sie auch nur ein Wort sagt - muss sie laut und vernehmlich furzen. Auch der Priester muss an einer bösen Krankheit sterben - innerlich wird er gleichsam zerrissen.

 

Verehrung

Er gilt als Pferdepatron, aber auch als Helfer bei Augen-, Haut- und Gelenk-krankheiten. Meist wird er als Ritter mit Schwert und Lanze dargestellt, manchmal auch mit Säbel, Fahne und Handkreuz. Seine Kirchen bzw. Kapellen sind meist Quellen oder Brunnen zugeordnet.

In zahlreichen Gegenden Europas, vor allem in Deutschland und Frankreich, wird der Heilige verehrt. In Bamberg werden seine Reliquien (siehe unter "Reliquien") aufbewahrt, dort gibt es auch eine Gangolfskirche, die aus dem 1803 aufgelösten Kollegiatstift hervorgegangen ist. Die Gangolfskirche in Hollfeld (Landkreis Bayreuth) entstand als Tochterkirche der Bamberger Kirche. Auf der Milseburg in der Rhön erhebt sich eine Gangolfkapelle, ebenso wie in Wolpertswende in Oberschwaben. An dieser Stelle soll der Heilige den mit dem Teufel im Bunde stehenden Riesen Mils erschlagen haben. In der bayerischen Rhön (Naturreservat bayerische Rhön) erhebt sich oberhalb der Ortschaft Oberelsbach (LKR Rhön-Grabfeld) der Gangolfsberg (736 m) mit seiner bekannten "Steinernen Wand" aus hexagonalen Basaltsäulen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war die Kapelle in Oberschwaben ebenso wie die Gangolfskapelle (Neudenau) das Ziel von Wallfahrten. In Schelingen am Kaiserstuhl gibt es eine Gangolfquelle. Das im 19. Jahrhundert erloschene Bistum Konstanz hatte einen Bischof mit dem Namen Gangolf, welcher sich zeitlich ungefähr in die Zeit des heiligen Gangolf einordnen ließe.

 

Reliquie

Gangolf wurde ab dem 9. Jahrhundert als Märtyrer verehrt und seine Reliqien kamen mit den Jakobspilgern nach Deutschland. In der Kirche St. Gangolf in Bamberg befindet sich ein Teil des Hauptes des Heiligen Gangolf, das vermutlich aus Eichstätt stammt

(Anm.: siehe auch den Bericht "Die Reliquie" im Abschnitt "Der Schlierstadter Gangolf", weiter unten auf dieser Seite)

 

Verschiedene Schreibweisen des Namen Gangolf

Gangulf, Galgolf, Gandouffe, Gandoul, Gangloff, Gangolf, Gangolphe, Gangou, Gangulfo, Gangulfus, Gangulfus, Gangulph, Gangulphus, Gangwulfis, Gendolf, Gengolphus, Gengou, Gengou, Gengoul, Gengoulph, Gengoult, Gengoux, Gengulf, Gengulphe, Genou, Gingolph, Jengulphus

 

Darstellung

• ein Mann jüngeren Alters, also nicht als Jugendlicher, sondern »in der

   Blüte seines Alters«, in soldatischer Kleidung

• oder als Adeliger in Zivil mit Jagdinsignien

• sei es stehend, sei es zu Pferde

• und er trägt häufig einen Bart.

 

Seine Attribute sind:

• der Märtyrer-Palmzweig

• der rote Mantel oder Umhang (Farbe der Blutmärtyrer)

• ein Schwert, durch das er den Märtyrertod erlitt

• ein Stab -- vielleicht ein Speer oder eine Lanze -- manchmal mit

   Fähnchen

• eine Quelle, die unter dem Stab oder (weniger korrekt) unter dem

   Schwert hervorsprudelt

• ein Schild, das ein Kreuz oder -- anachronistisch -- das Wappen der

   Herzöge von Burgund trägt

• weitere Teile einer Rüstung an oder um die Figur

• die Krone eines Barons oder eines anderen Adelsranges

• ein Kreuz in der Hand

• das Kreuz kann auch seine Kleidung oder das Fähnlein zieren

• ein Falke auf seinem Handschuh

• ein Pferd.

 

St. Gangolf ist allgegenwärtig, so auch ...

...als Kirchenfenster

...als Statuen

Holzskulpturen

von Südtiroler Holzschnitzereien

zu kaufen im Internet bei www.demi-art.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Statue des Hl. Gangolf, die vor einigen Jahren aus der Kirche am Totenmaar auf Weinfeld gestohlen wurde

 

...als Wappen

St. Gangloff ist eine Gemeinde im Saale-Holzland-Kreis in Thüringen und wurde erstmals urkundlich im Jahre 1266 erwähnt. Die Gemeinde St. Gangloff -- wurde wie Rom -- auf 7 Hügeln erbaut und wird deshalb auch das „Thüringische Rom“ genannt. Der heilige Gangolf gab dem Ort seinen Namen. Ihm wurde auch die Wallfahrtskapelle(Abb. s.u.) geweiht. Im Jahre 1650 wurde die Kapelle erweitert und 1750 machte sich ein Neubau wegen Baufälligkeit erforderlich.

Gangloffsömmern ist eine Gemeinde im Landkreis Sömmerda in Thüringen. Das Hauptmotiv im Wappen stellt den St. Gangolf dar. Dieser ist einerseits ein redendes Element für den Ortsnamen, andererseits ist der St. Gangolf auch der Schutzheilige der weithin bekannten Kirche. Die in der oberen Ecke stilisiert dargestellten Schilfkolben sind redende Elemente für den Ortsteil Schilfa. Eine Abb. der Kirche sehen Sie unten.

...als Brunnen

 

 

 

 

St.-Gangolf-Brunnen in Tallenay

Tallenay ist eine Gemeinde mit ca. 450 EW im französischen Département Doubs in der Region Franche-Comté, ca. 8 km nördlich von Besancon

...als Bildstock

..als Gemälde

...als Ortschaftsnamen mit Kirche

Kirche St. Gangolf in Gangloffsömmern (Thüringen)
Kirche St. Gangolf in Gangloffsömmern (Thüringen)

Gangloffsömmern ist eine Gemeinde im Landkreis Sömmerda in Thüringen. Sie gehört der Verwaltungsgemeinde Straußfurt an.

...als Ortschaftsnamen mit Kapelle

Wallfahrtskapelle St. Gangolf in St. Gangloff (Thüringen)
Wallfahrtskapelle St. Gangolf in St. Gangloff (Thüringen)

St. Gangloff ist eine Gemeinde im Saale-Holzland-Kreis in Thüringen und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Hermsdorf

Kapelle St. Gingolph
Kapelle St. Gingolph

Saint-Gingolph ist eine politische Gemeinde des Bezirks Monthey im französischsprachigen Teil des Kanton Wallis in der Schweiz. Saint-Gingolph liegt gegenüber von Saint-Gingolph in Frankreich (s.u.)

 

Kapelle St. Gingolph auf der franz. Seite der Morge (Grenzfluß zwischen Frankreich und der Schweiz)
Kapelle St. Gingolph auf der franz. Seite der Morge (Grenzfluß zwischen Frankreich und der Schweiz)

Saint-Gingolph ist eine Gemeinde im französischen Département Haute-Savoie in der Region Rhône-Alpes

...als Kapelle

Kapelle St. Gangolf in Neudenau
Kapelle St. Gangolf in Neudenau

Neudenau ist eine Gemeinde im Landkreis Heilbronn (Nördl. Baden-Württemberg)

...als Schloß

Schloß St. Gangolf bei Mettlach (Saar)

...und natürlich auch als Kirche!

Deutsche St.-Gangolf-Kirchen gibt es in:

+ Merzig-Besseringen (Saar)

+ Amorbach (Bayern)

+ Dornstetten, Filialkirche (Gemeinde Unterdiessen, Bayern)

+ Münchenlohra

+ Hiddenhausen (Westfalen)

+ Lauchheim, Stadtteil Röttingen (Württemberg)

+ Magdeburg

+ Lautenbach im Elsass/Frankreich

+ Mertloch

+ Kohren-Sahlis (Sachsen), evangelisch

+ Oerel (Niedersachsen), evangelisch-lutherisch

+ Hitzkirchen (Hessen, seit der Reformation protestantisch

+ Ramscheid (Eifel)

+ Rumbach (Pfalz) (romanisch, heute Christuskirche, seit der 

   Reformation protestantisch)

+ Wietzen (Niedersachsen)

   Kapelle Sankt Gangulf in Einsiedeln/Schweiz

+ Fladungen in der Rhön (Bayern)

   Gangolfskapelle genannt Maria Sternbach in der Pfarrei Wickstadt   

   (Hessen)

+ Hohenkirchen bei Gotha/Thüringen- 1511 geweiht

   ehemaliger St.-Gangolf-Stift zu Mainz

+ Heinsberg

+ Wolpertswende (Abb. 1)

+ Trier (Abb. 2)

+ Hollfeld (Abb. 3)

Geografische Verteilung der Kirchen in Deutschland mit dem Namen St. Gangolf

35,7%   Rheinland-Pfalz

21,4%   Hessen

14,3%   Nordrhein-Westfalen

14,3%   Thüringen

10,7%   Bayern

  3,6%   Niedersachsen

Ausländische St.-Gangolf-Kirchen gibt es in:

Österreich, Belgien, England, Luxemburg, Holland, Portugal, Schweiz

(Anm.: Sicher gibt es noch die eine oder andere St.-Gangolfs-Kirche  bzw. -Kapelle oder sonstige  Gangolf-Darstellungen, die Liste ist daher nicht vollständig)

Aber es gibt auch...

Seite 123 im Buch
Seite 123 im Buch

GANGOLF als...

Im Uhrzeigersinn von links oben:

 

...Pferdemüsli

...Babylatz

...Eintrittskarte

...Kino (siehe Abb. unten)

...Salsa-Diskothek

...Notgeld von 1921 (50 Pfennig) der Stadt Trier

...Apotheke

 

...Kirche, Straße, Kino und Diskothek in Bonn (1930-2004)

...Straße in Bonn und Weg in Schlierstadt

...tragische Geschichte

1. September 1822

"Mohrentaufe": Als Sklave aus der Karibik 1822 zur Taufe nach Lindau gebracht

Am 1. September 1822 erregte es einiges Aufsehen, dass in der Kirche St. Gangolf im heutigen Lindauer Stadtteil Aeschach unterhalb der späteren Christus-Kirche ein gut besuchter Gottesdienst aus Anlass einer „Mohrentaufe“ stattfand. Der zur Aeschacher Taufe aus der Sklaverei entlassene Afrikaner „Dick“ erhielt zusätzlich noch den Namen Friedrich und starb als Diener, vermutlich 66jährig, am 2.9.1836 in Erbach/Eltville am Rhein nördlich von Mainz. Sein Grab existiert nicht mehr.

Anm.: Im Kloster Schöntal (ca. 20 km von Schlierstadt) gibt es auch einen Mohrenbrunnen. Er befindet sich auf der freien Fläche zwischen Neuer und Alter Abtei und den Wirtschaftsgebäuden. Er wurde 1787 unter dem letzten Schöntaler Abt, Maurus (abgel. von Mohr) Schreiner (1784–1802) hergestellt. Der ganze Brunnen ist ein Spiel mit dem Vornamen des Abtes, so sind einige Flächen des Brunnentroges mit Mohrenszenen verziert und oben auf der zentralen Brunnensäule sitzt anmutig ein Mohr mit kronenartigem Schmuck und ähnlichen Verzierungen an Armen und Beinen. Alle Wappendarstellungen sind auf 1787 datiert.

Der St. Gangolfsritt

Wolfgang und Gangolf kommen mit Vorliebe als Patrone vor an Orten, wo ehemals heidnischer Roßkult gepflegt wurde. Eine solche Stätte haben wir auch in Neudenau. Die Missionare hatten von Rom aus die Weisung, nicht gewalttätig vorzugehen, sondern die Gefühle des Volkes tunlichst zu schonen und heidnischen Lehren und Bräuchen eine christliche Deutung unterzulegen. So setzten sie Heilige, in deren Namen oder Leben noch etwas Germanisches nachschimmerte, an die Stelle Germanenglaubens und Germanenbrauches. An die Stelle der Pferdeopfer und heidnischer Feste traten Pferdeumritte und Pferdesegnungen mit Pferdepatronen. Solche Patrone sind Gangolf und Wolfgang. Demnach wäre die Schlierstadter Kirche, die schon 1088 erwähnt wird, auf speziell heidnischem Kultboden entstanden; auch ihr hohes Alter ist bemerkenswert.

Der Schlierstadter St. Gangolf

Das Mosaikbild

Der Weg (ca. 1200 m) von der Kirche zum St. Gangolfsbild führt durch den Ort, an Feld und Flur vorbei, dann durch ein kleines Wäldchen (sog. „Tannewäldle“) zum sehr schön gelegenen Standort.

Das St. Gangolfsbild ist ein ca. 1,30 x 2,90 m großes Mosaikbild (Abb. links) und steht inmitten von zwei großen Linden.

 

 

 

 

 

(Anm.: Gestiftet wurde dieses Mosaik von Franz Josef und Amanda Dörr aus Offenburg)

 

 

 

 

 

 

 

Das Mosaik, ehemals umrahmt von einem Sandsteinrelief, war über dem Hauptportal der Kirche angebracht (Abb. links) und wurde im Mai 1968 am ursprünglichen Standort ausgebaut (untere Abb.) und am "Tannewälde" (obere Abb.) für DM 5.571,32 (!!!) wieder neu errichtet.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die letzte Kommunion unter St. Gangolf...das Gerüst zum Abbau steht schon...

Die Reliquie

Historie der Reliquie

Die Nachrichten über seine Historie sind dürftig. Beurkundet wird er zwischen 716 und 731. Aus adeliger Familie stammend, wurde er in Varenne-sur-Amance (Diözese Langres) in Burgund geboren. Nach einem Feldzug in Campanien trennte er sich auf Grund eines Gottesurteils von seiner Ehefrau. Aus Rache verletzte ihn sein Nebenbuhler im Schlaf tödlich. Im Jahre 760 wurde er in Varenne begraben. Seine Gebeine kamen während der Normanneneinfälle in das befestigte Langres, wo die dortige Bischofskathedrale heute noch als kostbaren Schatz das Haupt und eine Armreliquie des Heiligen birgt. Seit dem 9. Jahrhundert wird er als Märtyrer verehrt. Bald nach seinem Tode wurde er in Burgund, am Rhein und an der Mosel als Heiliger verehrt. Sein Leib wurde zu Avaux in Bassigny bestattet. Später wurde er nach Varennes in die Kirche St. Peter übertragen. Viele seiner Reliquien wurden an verschiedene Kirchen und Klöster Frankreichs, Deutschlands und der Niederlande verteilt. Von seinem Haupte befanden sich Teile in den Kapuzinerklöstern zu Eichstädt und auch in Bamberg, Reliquien kamen -- wohl durch die damals aufblühenden Pilgerzüge nach Santiago de Compostela in Spanien -- über Portugal und Frankreich nach Deutschland. Hier fasste seine Verehrung vor allem in Köln und Eichstätt Fuß. Aus Eichstätt stammt gemäß der Überlieferung ein Teil des Hauptes, es befindet sich unter den Reliquien im Kirchenschatz der Pfarrei in Bamberg (im Stadtviertel Theuerstadt östlich der Regnitz, ein kleines Dorf in der Stadt, geprägt vom Gemüseanbau. Den geistlichen Mittelpunkt dieses Stadtteils bildet seit mehr als 900 Jahren die Kirche St. Gangolf) und soll auf Bitten eines Bamberger Propstes von Eichstätt nach Bamberg gekommen sein. Erst Pfarrer Maier in Neudenau erhielt durch den Bischof von Eichstätt, den späteren Kardinal Graf Preising, eine Reliquie des Heiligen und konnte nun den St. Gangolfsritt mit Pferdesegnung in Neudenau einführen.

Die Geschichte der Schlierstadter Reliquie

Anfang 1955

Der Ursprung des Schlierstadter St. Gangolfritts

Dem Ortspfarrer ist es gelungen, aus St. Wendel im Saargebiet, eine Reliquie ex ossibus (Anm.: Lat.: aus den Knochen) St. Wendelini zu erhalten. Dafür konnte durch Gold,- Silber- und Schmuckstücke ein Reliquiar angefertigt werden. Ebenso konnte durch Vermittlung eines Leidensgenossen aus Dachau, des Prinzen Xavier de Bourbon-Parma (eines Bruders der Kaiserin Zita von Österreich), vom Bischof von Langres, Frankreich, eine Reliquie ex ossibus St. Gangulfi für die Kirche in Amorbach und Schlierstadt in den Besitz der Pfarrkirche kommen. Auch für diese Reliquie konnte ein schönes, stimmiges Reliquiar erstellt werden.

Warum sollte nun nicht auch in Schlierstadt, wie in Neudenau, der Gangolfsritt möglich sein? Also wagten wir einen Anfang!

(Anm.: Reliquien finden sich in allen Hauptreligionen, vor allem aber im Christentum, im Shinto und im Buddismus. Auch im schiitischen Islam gibt es Reliquienverehrung an den Gräbern von Heiligen, selbst atheistische Gruppen kennen solche Verehrung, wie der einbalsamierte Lenin an der Kreml-Mauer in Moskau zeigt)

Die Reliquie

Sie zeigt ein Kreuz, nach dessen Bild das Reliquiar geformt ist sowie die beiden Eheringe mit den eingearbeiteten Palmen, das Hufeisen und die aus Elfenbein geschnitzten Pferdchen, alles Symbole, für die die Persönlichkeit und das Wirken des Hl. Gangolf stehen:

Das Kreuz, als Zeichen Christi

Die beiden Eheringe, als Sinnbild der ehelichen Treue

Die Palmen, als Siegeszeichen des Märtyrers

Das Hufeisen und die Pferdchen, als Ritter und Freund der Tiere

Das St.-Gangolf-Reliquiar wurde mit viel Kunstsinn und Liebe von Goldschmied Beßler in Würzburg geschaffen. Es ist ein bedeutendes Kunst- und Schmuckstück

Der erste Schlierstadter St. Gangolfsritt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Foto zeigt Geistl. Rat Richard Schneider mit der Gangolfs-Reliquie beim ersten Schlierstadter St. Gangolfsritt am 15.5.1955 (siehe auch die folgende erste Abb.) 

Schon der Buddhismus und später auch der Islam kennen Reliquien, selbst atheistische Gruppen kennen solche Verehrung, wie der einbalsamierte Lenin an der Kreml-Mauer in Moskau erweist.Schon der Buddhismus und später auch der Islam kennen Reliquien, selbst atheistische Gruppen kennen solche Verehrung, wie der einbalsamierte Lenin an der Kreml-Mauer in Moskau erweist.Schon der Buddhismus und später auch der Islam kennen Reliquien, selbst atheistische Gruppen kennen solche Verehrung, wie der einbalsamierte Lenin an der Kreml-Mauer in Moskau erweist.
Schon der Buddhismus und später auch der Islam kennen Reliquien, selbst atheistische Gruppen kennen solche Verehrung, wie der einbalsamierte Lenin an der Kreml-Mauer in Moskau erweist.

Unter den denkbar günstigsten Wetterverhältnissen konnte erstmals das Fest des hl. St. Gangolf gefeiert werden. (...) Mit frischem Grün geschmückte und beflaggte Häuser, Marktbuden und Pferdegetrab zeigten an, daß am Nachmittag erstmalig am St.-Gangolf-Fest auch in der Öffentlichkeit etwas geboten ist. (...) Dem Reiterverein Buchen mit seinem edlen Pferdematerial an der Spitze und überraschend vielen anderen auswärtigen Reitern folgte die St.-Gangolf-Fahne und die Reiterschar aus Schlierstadt (99 Pferde, davon 87 berittene und 12 bespannte). Ihnen schlossen sich hoch zu Roß die Ministranten und der Ortspfarrer, Geistl. Rat Schneider, mit der St.-Gangolf-Reliquie an. Im Schulhof machte die Prozession zur Predigt und Pferdesegnung Halt. (...) Die Prozession bewegte sich weiter durch das ganze Dorf und fand vor der Kirche mit dem Tedeum und einem Muttergotteslied einen würdevollen Abschluß.

Die folgenden 10 Fotos zeigen den erstmals am 15. Mai 1955 durchgeführten Schlierstadter St. Gangolfsritt

St. Gangolfsritt am 12. Mai 1957

Im Hintergrund das St.-Gangolf-Mosaik über der Kirchentüre
Im Hintergrund das St.-Gangolf-Mosaik über der Kirchentüre

Der zum 3. Male abgehaltene Gangolfsritt wird auf dem großen Platz am Wäldchen gefeiert. Pfarrer Becker aus Seckach predigt und segnet die Pferde. Etwa 90 Pferde und über 1.000 Teilnehmer bei bestem Wetter.

Pfarrer Becker mit der Gangolfsreliquie
Pfarrer Becker mit der Gangolfsreliquie
Links unten Alois Weber (Jg. 1906), auf dem Arm: Albert Weber (Jg. 1953)
Links unten Alois Weber (Jg. 1906), auf dem Arm: Albert Weber (Jg. 1953)

Protokoll des St. Gangolfritts vom 11. Mai 1958

Originaldokument des Schlierstadter St. Gangolfsritts vom 11. Mai 1958 (wortgetreuer Text nebenstehend)
Originaldokument des Schlierstadter St. Gangolfsritts vom 11. Mai 1958 (wortgetreuer Text nebenstehend)

Aufstellung:

Reiter auf dem Klosterweg (Reiterverein Buchen an der Spitze!).

Wagen und Gespanne, mit Maiengrün geziert, auf dem Osterburkener Weg.

 

Wegstrecke:

Hinauf zum "Wäldchen", dort beim Kreuz folgende Aufstellung:

Talseite: Reiter mit ihren Pferden.

Waldseite: Gespanne.

In der Mitte: Gläubige zu Fuß (nahe ans Kreuz herangehen).

Nach der Segnung die Steige herunter durchs Ort (über die "Hecke"), an der Kirche vorbei zum Rathaus, wo sich der Zug auflöst.

 

Prozessionsordnung:

Voraus Reiter mit Kreuz und Begleitern,

Musik zu Fuß,

Reiter zu Pferd,

Gangolfsfahne,

Gangolfsreliquie mit Pfarrer zu Pferd,

Wagen und Gespanne,

Gläubige zu Fuß.

 

Bitte an die Bevölkerung:

Häuser mit Maiengrün und Fahnen (Weiß und Rot) auf der Wegstrecke schmücken!

Alles unterlassen, was dem Gangolfsritt die religiöse Weihe nimmt!

Nichts tun, was die Pferde beunruhigt!

Den Weisungen der Ordner (Feuerwehr) ist unbedingt Folge zu leisten!

St. Gangolfsritt am 14. Mai 1961

Expositus Behr aus Sennfeld (Bildmitte), Pfarrer Oswald, Schlierstadt (rechts), Pfarrer Blank, Adelsheim (links)
Expositus Behr aus Sennfeld (Bildmitte), Pfarrer Oswald, Schlierstadt (rechts), Pfarrer Blank, Adelsheim (links)

Insgesamt waren etwa 40 Reiter beteiligt. Viele Pferde aus Nachbargemeinden, u.a. der Reit- und Fahrverein Buchen. Der älteste Reiter war 76 Jahre alt und saß auf dem jüngsten Pferd (4 Jahre alt). Auch die Feuerwehr kam an diesem Tag hoch zu Roß geritten. 

 

Auszug aus der Predigt von Expositus Pfarrer Behr aus Sennfeld: ...es gehe nicht an, alles im Hinblick auf den Erfolg tun zu wollen, vielmehr habe sich jeder so auszurichten, daß er Gottes Auftrag erfülle...dieser Vernunftglaube, der mit Parteidoktrinen aus dem Osten auch zu uns einschleiche, berge ein heimtückisches Gift in sich. Es müsse daher auch heute an diesem Tag jeder Gewissensforschung halten, ob sein Christsein nur den bereits stark gewordenen Materialismus bemäntle...

St. Gangolfsritt am 12. Mai 1986

 

 

 

 

 

 

 

mit Pfarrer Herbert Duffner

St. Gangolfsritt am 12. Mai 2013 (siehe Rubrik 23)