33. Fundgrube!

Schüsse auf den "Gekreuzigten"

Standort in der Pfarrscheune

Glockenturmfund: St. Gangolf in der Sendung...

Während der Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten der Kirche St. Gangolf in Schlierstadt wurde in der oberen Etage des Glockenturmes unter allerlei Gerümpel u. a. ein Gemälde des Schutzpatrons der Kirche, der Hl. Gangolf, gefunden. Das Gemälde ist ca. 1m breit und 1,8m hoch. Ein unbekannter Künstler stellt hier das Quellwunder dar: Gangolf zieht einen Stock aus dem Boden seines Grundstücks, woraufhin dort eine Quelle entspringt.

Jetzt wurde durch Vermittlung von Rolf Arnold das Gemälde im Vorfeld der bekannten Sendung des BR „Kunst & Krempel“ vorgestellt, um mehr über das Bild (Alter, Maler, Herkunft) zu erfahren. Es wurde am Sonntag, 9. März 2014, in der ehem. Benediktinerabtei des Klosters Amorbach bei der Aufzeichnung der Sendung „Kunst & Krempel“ von 2 Fachleuten (Prof. Dr. Hans Ottomeyer, Kunsthistoriker, Berlin und Dr. Herbert Giese, beeidigter Sachverständiger, Wien) begutachtet und bewertet. Leider konnte aus organisatorischen und zeitlichen Gründen das Gemälde nicht vor laufender Kamera begutachtet werden, was natürlich nicht heißt, dass es weniger wertvoll oder interessant wäre.

Die Ergebnisse der Begutachtung waren folgende:

Einordnung in eine Epoche:
Nach Malstil, Schrifttyp und Ausstattung des Objekts ist die Entstehung um 1860/70 anzunehmen, vermutlich im Zusammenhang entweder mit einem neogotischen Kirchenneubau oder einer neogotischen Neuausstattung eines Kirchenraums. Desweiteren kann vermutet werden, dass hier ein Einzelbild aus einem Gangolf-Zyklus mit mehreren Szenen zu dessen Vita vorliegt. Das Gemälde ist der nazarenischen Kunst zuzuordnen.
Auch wird angenommen, dass es sich um ein Einzelstück handelt, also nicht ein Teil eines Altares ist. Das dargestellte Kostüm ist aus dem 8. Jahrhundert.

Angaben über den Maler:
Ohne Signatur ist der Urheber des Gemäldes allenfalls mit hohem Aufwand zu ermitteln. Man hat in ihm einen Kirchenmaler des 19. Jahrhunderts zu sehen, der in solider akademischer Qualität religiöse Motive in gotischer oder altdeutscher Manier malte.
Evtl. könnte das Bild von einem Künstler namens Schnorr von Carolsfeld (1794-1872 )gemalt worden sein.

Herstellungstechnik:
Ölgemälde auf Holz.

Marktlage:
Neogotische Kirchenmalereien aus dem 19. Jahrhundert, die bei Auflösung oder Neueinrichtung ihre Bleibe verloren haben, kommen häufig auf den Kunstmarkt. Meistens sind es Einzelbilder oder ganze Zyklen mit den Kreuzwegstationen. Die Nachfrage danach ist meist nicht sehr hoch, da die Bilder sperrig sind und für die private Wohneinrichtung unpassend. Vom Wert her rangieren sie unter echten alten Kirchengemälden bis um 1800. In diesem Fall ist der schlechte Zustand zu berücksichtigen.

Preis:
Der Wert wird auf max. € 500,-- geschätzt, kann aber in einer Auktion € 600,-- bis  € 800,-- erzielen.


„Das Gemälde ist in einem sehr schlechten Zustand aufgefunden worden. Nachdem schon in den vergangenen Monaten Spenden speziell für die Restaurierung dieses Gemäldes eingegangen sind, hat sich der Pfarrgemeinderat (PGR) entschlossen, das Gemälde restaurieren zu lassen.“ Der PGR hat inzwischen ein detailliertes Angebot zur Restaurierung eingeholt. Die Kosten belaufen sich auf ca. € 3.500,--.

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Inzwischen sind € 3.780,-- eingegangen

So sah unser Gangolf im Juli 2014 aus...
So sah unser Gangolf im Juli 2014 aus...
...und so im Oktober 2014
...und so im Oktober 2014

Eine wahre Meisterleistung ist unserem Restaurator gelungen: Unser Kirchenpatron, St. Gangolf blickt uns nun in neuem Glanz eindrucksvoll entgegen. Das Gemälde hat inzwischen auch einen schönen und würdigen Platz im Eingangsbereich der Kirche erhalten.

Vielen Dank allen Spendern!!!

Sakristeifund

Dieses Relief, eingemauert in eine Seitenwand der Sakristei, kam bei der Renovierung der Kirche wieder "zum Vorschein". Es könnte sich um ein Fragment eines alten Grabsteines handeln, der anlässlich einer Renovierung oder eines Neubaus des Turms als eine Art Grundstein in das Fundament des Turms eingemauert wurde, denn der Chorturm wurde 1589 durch einen Blitzschlag zerstört. Die Inschrift über dem Relief, soweit lesbar, lautet in etwa: (A)NNO 1590 – DEN 19 MAE… (Martii = März oder Mai…??) sowie auf der rechten Seite: S(T). INGOT(L). Weiterhin könnte das Relief in einem Zusammenhang mit dem 1587 in Schlierstadt tätigen Pfarrer Paulus Pistorius stehen. Dieser ist wahrscheinlich identisch mit dem tschechischen Jesuiten, Pfarrer und Schriftsteller Pavel Pistorius z Lucka oder Paulus Pistorius von Luczka (1552-1630).

Neues vom Relief (Grabplatte) in der Sakristei

Dieses Relief (Grabplatte), eingemauert in eine Seitenwand der Sakristei (Einzel-heiten dazu auf der 3. Um-schlagseite in unserem Buch) kam bei der Reno-vierung der Kirche wieder zum Vorschein. Nach vielen Mailwechsel mit der "Heidelberger Akademie der Wissenschaften", Abt. "Deutsche Inschriften des Mittelalters"  (Forschungsstellen-Leiter Dr. Harald Drös) wurde viel Licht in das Dunkel dieses Reliefs gebracht.

Wir bleiben weiterhin auf der Spur dieser Grabplatte!

Nachfolgend der Wortlaut des Antwortschreibens:

(...) Es handelt sich bei dem Relief um das Fragment einer Wappengrabplatte, näherhin um das obere Fünftel oder Sechstel der Platte. Übliche Anordnung: Sterbevermerk umlaufend eingehauen, in der Kopfleiste beginnend, und im eingetieften Feld das Vollwappen des Verstorbenen (Schild mit Helm und Helmzier).

Beginn der Inschrift, so weit erhalten:

[A]NNO 1590 . DEN 19 MARtii / Jst JN GOT [- - -]

NN in ANNO und AR in MARtii in Nexus litterarum verbunden. Endung von MARtii ganz unsicher: entweder waren die drei letzten Buchstaben verkleinert und als Minuskelbuchstaben hochgestellt oder das Wort war MAR(tii) abgekürzt, das ist auf dem Foto nicht zu erkennen.

Nach üblichem Formular ist die Inschrift sinngemäß zu ergänzen:

"... ist in Gott seliglich entschlafen der ..., dem Gott gnade" (o.ä.)

Unbeholfen wie die Schriftausführung (Durchmischung von - zudem verfremdeten - Kapitalisbuchstaben mit Minuskeln) ist auch die bildliche Darstellung des Wappens. Erhalten ist nur der obere Teil der Helmzier. In der beigefügten Skizze können Sie sehen, wie diese vermutlich eigentlich aussehen müßte: Zwischen zwei Büffelhörnern ein wachsender Mannsrumpf, in beiden Händen je einen Fisch haltend.

Da der Schild mit dem Wappenbild nicht erhalten ist, ist mir eine Identifizierung der wappenführenden Familie leider nicht ohne weiteres möglich. Aber da der Todestag durch die Inschrift überliefert ist, läßt sich der Verstorbene vielleicht über die (erhaltenen?) Kirchenbücher ausfindig machen.

Mit freundlichen Grüßen

Harald Drös

So oder so ähnlich könnte die Grabplatte einmal ausgesehen haben

Bei der nebenstehenden Zeichnung handelt es sich nicht um eine Rekonstruktion, wie die Grabplatte ausgesehen haben könnte - das ist gar nicht möglich angesichts der unbeholfenen Art der "künstlerischen" Gestaltung -, sondern lediglich um eine Veranschaulichung, wie das Wappen, das auf der Grabplatte abgebildet war/ist, bei korrekter Darstellung aussehen müßte.

Seltene Schnappschüsse

Pfarrer Schneider auf direktem Weg nach "oben"...

Ein sehr seltener (seltener als ein Foto vom Tasmanischen Tiger) Schnappschuss ist uns gelungen:

 

Pfarrer Schneider besteigt die Himmelsleiter und macht sich auf den Weg nach "oben". Es wird wohl alles gutgehen...schon allein wegen der Sicherheitsschuhe!

Alte und neue "Heilige"

Das ist das Allerletzte!

Isch unser Klima a reicht steeni,

treicht unscher Bode emol viel, emol weni,

m`r  häwe`n  doch  gärn,  m`r  hänke  annem,

un  was  m`r  net  kenne,  des  schicke  m`r  uff  Mannem!

                                                                   (Alte Schlierstadter Weisheit)