a) 17.-19. Jahrhundert

Alle Namen und Geschehnisse der folgenden Texte aus dem 17.-20. Jahr-hundert stehen in irgendeiner Beziehung zur Schlierstadter Pfarrei, sind wort- und sinngemäß in die heutige Sprache umgesetzt worden, beanspruchen aber keinerlei orthographische Feinheiten!

17. Jahrhundert

Nach dem 30jährigen Krieg (1618-48) sollen in Schlierstadt nur noch 3 Häuser in der Angel gestanden sein. Im Seckacher Eck und hinter der Wolfhecke hätten sich 2 alte Mütterlein mit 1 Kuh jahrelang durchgeschlagen.

18. Jahrhundert

Vorab etwas aus der Statistik

1756-1773

684 Geburten, davon 7 unehelich

355 Tote, davon 58 Kinder

7.Oktober 1720

Von einer Kugel getroffen, doch mit allem versehen starb Michael Bischoff, ein Bursche von 21 Jahren, dessen Seele im heiligen Frieden ruhen.

Der Originaltext lautet:

Bildstockmitte: Michel Bischoff mitt eine Flinden erschosen worden.

Bildstocksockel: Dissen Biltstock Hatt Mathias Bischoff Gott zu Ehrn auff Richten lasen -- 1721

(Anm.: Hier hat der Liebhaber eines Mädchens seinen Nebenbuhler erschossen).

18. März 1763

Andreas Weber, ehemaliger Gemeinderat und Bürger in Zimmern, der innerhalb der Pfarrgrenzen, im Walde am Schallberg von einem Holzstück getroffen, unversehen starb an einer Kopfverletzung, und nach Erledigung der rechtlichen Angelegenheiten mit meiner (Pfarrer) Zustimmung in Zimmern begraben ausserhalb der Pfarrgrenzen.

NB. Dessen entseelter Todten-Körper ist zwar ohne mein und des Buchheimer Centherrn Genehmigung in dessen Verstorbenen Behausung getragen worden. Er mußte aber wieder herüber in meine Pfarrey und Buchheimer Cent-Gräutz, nämlich in das kleine Häuschen bei der steinernen Bruck, neben der Mühl des Philipp S. getragen werden, allwo man zuerst eine Untersuchung von Cent wegen angestellet und nachdem man vernohmen, dass ein vom Berg im Wald heruntergeworfener Scheid-Holtz auf das zuvor geschehene Rufen und Warnen, mithin ohne jedes Verschulden ohne tödlich Verletzte habe, wurde er vom Cent entlassen und ich erteilte auf besonders Ansuchen des Verunglückten Kinder gegen Zahlung meiner und des hiesigen Schulmeisters jura die Erlaubnis, der Leichnamb gleichwohlen auf dem Kirchhoff in Zimmern begraben, weilen des Todtsfall in dem zwar Selgenthaler Herrschaftswald, welcher jedoch noch in der Schlierstadter Gemarkung lieget, mithin in meiner Pfarrei geschehen.

20. April 1763

Maria Eva Leix, des verstorbenen Georg Leix hinterlassene legitime Tochter, 31 Jahre alt, nur mit der bedingten Absolution und dem hl. Öl versehen, weil bewußtlos und mit Wunden bedeckt so am 15. April, 2 Tage vor ihrem Geburtstag aufgefunden.

NB. Den Mörder findet man unter dem 20. Juli 1764.

20. Juli 1764

Maria Eva Heck, des Josef Adam Hecks Frau wurde ca. um 5 Uhr nachmittags auf dem Felde im "Groben Grund" mit Wunden bedeckt, auch an den Genitalien, tot aufgefunden, 37 1/2 Jahre alt.

NB. Siehe im vorigen Jahr den 20. April: Der gleiche schändliche Fall und sonderbar: beide heißen Maria Eva, beide starben an einem Freitag und am gleichen Monatstag eines gewaltsamen Todes. Deshalb ist anzunehmen, dass sie vom gleichen Wüstling überfallen, lieber sterben wollten als gegen die Schamhaftigkeit zu verfehlen.

Am 15. August wurde ein Bursche von 18 Jahren namens Franz Kolb verhaftet, der nach seinem eigenen Geständnis vor dem Richter und öffentlich zugab, beide Personen ermordet zu haben.

Am 5. Dezember wurde er in Buchen lebend dem Rad (siehe Abb. unten) und Galgen übergeben und zum abschreckenden Beispiel für andere sein Leichnam auf dem Rad liegen lassen, nachdem man dem Toten die rechte Hand abgehauen hatte.

Genauer Abriß der Radbrechmaschine, die beÿ der hinrichtung gebraucht worden

a. Die Schleifen, welche dem Delinquenten umb hände und füße gelegt worden.

b. Winden, womit man die Stricke angezogen.

c. Das Loch, wodurch der Strick durch die Bühne gieng, mit dem er erdroßelt

worden.

d. Lage der Brust, worauf die dreÿ erste Stoße geschehen.

e. Die vordere Theile der Arme.

f. Die obere Theile derselben.

g. Die Schenckel.

h. Die Schienbeine.

i. Das Rad, womit alle dise glieder abgestoßen worden.

26. Dezember 1760

Hier stirbt Albert Dörr von Osterburken, Vater von Pfarrer Dürr, 66 Jahr alt.

19. September 1769

Hier stirbt die Mutter desselben, Anna Maria Dürr, 74 Jahr alt, begraben neben dem Beinhaus, wo schon der Vater begraben liegt.

19. Jahrhundert

Vorab etwas aus der Statistik

1850-1899

1690 Geburten, davon 14 unehelich

1308 Tote, davon 517 (!) Kinder

 

15. August 1817

Johannes Bethäuser, 28 Jahr alt, im Feld ermordet gefunden.

Barbara Bethäuser, 32 Jahr alt, im Haus ermordet aufgefunden.

Mörder: Franz Joseph Gramlich (F.J.G.) aus Schlierstadt, Dragoner.

Tathergang: F.J.G. hatte am 15. August 1817, gegen 1/2 6 Uhr, den 28jährigen Johann Michael Bethäuser mit einem Karst erschlagen, als er auf dessen Acker widerrechtlich Kartoffeln heraushackte und der Besitzer sich zur Wehr setzte. Um die Tat zu verheimlichen, hat der Mörder dann 1/2 Stunde später im Haus des Betthäuser die 32jährige Schwester seines ersten Opfers, Barbara Bethäuser, auf bestialische Weise ums Leben gebracht. Schon seit dem Jahre 1816 trieb sich der ehemalige Dragoner und Desserteur mit seinem Bruder Wendel in der ganzen Gegend herum, wollte auch mal ins Pfarrhaus einbrechen. Der Desserteur brauchte Geld zum leben, arbeiten wollte er aber nicht, darum verlegte er sich aufs Rauben, Stehlen und Morden.

Aus den Gerichtsakten der Pfarrei vom 17.12.1817: Pfarrer Bauer äusserte dem Ortsvorstand die Besorgnis, daß F.J.G. mit seinem Bruder Wendel verabredet hat, bei ihm einzubrechen.

F.J.G wurde am 12. Februar 1818 in Osterburken hingerichtet.

(Anm.: Sie war die letzte Hinrichtung in Osterburken. Ein Bericht (mündliche Erzählung) über diese letzte Hinrichtung liegt vor und kann bei Interesse angefordert werden: Mail-Adresse siehe Impressum).

3. November 1843

Dragoner Moritz Gramlich stirbt im Militärspital Mannheim.

1848

Im Revolutionsjahr 1848 waren auch die Schlierstadter fest bei der Sache. Ein Teil zog hinunter in das Kloster und fing an aufzuladen. Der alte Pächter vertrieb sie aber vom Hofe. Ein besonders eifriger Revolutionär lebte im "Oberländle". Tag und Nacht hatte er die Uniform an und den Tornister auf dem Rücken. Wenn man ihm aber sagte, er solle doch wenigstens während des Futterschneidens die Waffen weglegen, entgegnete er: "`s kann jed`n Aucheblick louschgeh`".

18. Dezember 1870

Ignaz Götzinger von Schlierstadt, ledig, Soldat, 23 Jahr alt, Sohn des Melchior Götzinger und dessen Ehefrau Rosine, geb. Zimmermann, ist mit den hl. Sakramenten versehen, in der Schlacht bei Nuits-St. Georges (Burgund) durch einen Schuß in den Kopf gefallen. Sein Leichnam wurde am 20. Dezember auf dem Schlachtfeld bei Nuits vom Militärgeistlichen beerdigt. Zeugen sind: Joseph Müller und Karl Brümmer, beide Schlierstadter Soldaten bei demselben Regiment.

1. Dezember 1871: Schlierstadt hat 961 Einwohner

21. Januar 1872

Hier stirbt Georg Matt, 74 Jahr alt, genannt "Der Jörg von Schlierscht", der jeden Monat des Jahres "in den April"geschickt wurde und alles glaubte, was er wünschte, oder fürchtete, wegen eines Kreuzers oder Sechsers die Welt auslief, das Geld liebte wie ein Rabe das Glänzende, dem man alle falschen Geldscheine für wahre gab, der aber ausser seinem grossen Fleiss aus Geldverdienen auch manche Schlauheiten zwischen hinein zeigte, doch sich über massen täuschen und simpeln ließ, der arme Jörg, der in seiner Angst, er werde durch einen Schlaftrunk eingeschläfert nach Amerika spendiert, in der Verzweiflung nicht mehr schlafen konnte, rspk. wollte (einige witzige Spassvögel hatten ihm diese Angst eingeflösst), der dann seine Seele lieber Gott übergeben und dann zuhause sterben und im Schlierstadter Friedhof ruhen wollte.

18. Juli 1898

Emma Katharina Leix stirbt an einer Verletzung, weil sie den Fuss in die Futterschneidemaschine brachte.