b) 20. Jahrhundert

8. Juli 1908

Primiz von Georg Bernhard Götzinger

(Anm.: siehe auch die Berichte vom 27. Juli 1958 und 23. November 1966 auf dieser Seite).

Auszug aus dem Buch "Erzbistum Freiburg" von 1910

September 1921: Der "Schwarze Hund"

In dem guten Weinjahr 1921 zeigte sich wieder einmal einem braven Bürger aus Schlierstadt beim Kloster Seligental der "Schwarze Hund", über den er trotz Beten, Anrufung aller Heiligen, frommen Versprechungen und der Stärkung von 9 Viertel 1921er nicht wegkommen konnte und der ihn zwang, wieder nach Schlierstadt in den "Löwen" zurückzukehren.

6. September 1923: Tödlicher Unfall

Auf dem Heimwege nach Schlierstadt verunglückt einer der beiden Heidelberger Architekten der Schlierstadter Volksschule, Leopold Moosbrugger, tödlich (Abb. 1-5). Er war an einem starken Gefälle auf der Landstraße von Buchen nach Schlierstadt mit dem Fahrrad auf den unbefestigten Randstreifen geraten und gestürzt. Dabei zog er sich lebensgefährliche Kopfverletzungen zu.

(Anm.: Der andere Architekt war Heinrich Pflaumer (siehe Abb. 6-8)).

22. Mai 1924: Einweihung der neuen Volksschule

(...) als der große Festzug dort angekommen war, hielt Herr Pfarrer Dr. theol. Jakob Arnold eine glänzende Festrede über die Bedeutung der Schule. Hernach wurde die Weihe des Hauses vorgenommen, während die Musikkapelle das Lied „Das ist der Tag des Herrn“ spielte. Es folgte ein dreistimmiger Schülerchoral: „Wir treten zum Beten“. (...)

27./28. Mai (Pfingsten) 1928: Heimat-Fest in Schlierstadt

(...) erwähnen wir heute nur den Festgottesdienst am Pfingstmontag. Ja, das war für die Heimgekehrten aus der Ferne eine der freudigsten Überraschungen, die ihnen die Heimat bot und nach vielen Jahren der Trennung: das herrliche Gotteshaus im Festschmuck, für dessen Renovierung die Schlierstadter Gemeinde ihrem derzeitigen kunstverständigen Seelsorger Pfarrer Dr. Jakob Arnold nicht dankbar genug sein kann. Das ist wirklich eine Stätte, die die Seele heimwärts zieht und die Heimat zur Heimat der Seele macht. In herrlichen Worten führte dann auch Herr Pfarrer Dr. Arnold die Pfarrkinder und die Heimgekehrten im Anschluß an das Psalmenwort: "Seht, wie gut und lieblich es ist, wenn Brüder in Eintracht zusammen sind", in seiner Festpredikt zurück in die Jahre, die sie hier als fröhliche Kinder verlebt, wo die Kirche als liebende Mutter sie in der Taufe zu neuem Leben geboren, am Tag der ersten hl. Kommunion mit Christus dem Herrn verbunden und am Firmungstag als Streiter Christi ausgerüstet und sie dann hinausgesandt in das Leben. Die väterlichen Worte des H.H. Festpredigers werden den Teilnehmern unvergeßlich bleiben; ebenso erhebend und herrlich war die Feier des Festgottes-dienstes unter den herrlichen Weisen des Kirchenchors. (...)

(Anm.: Auszüge aus dem "Bauländer Volksblatt" Nr. 123, vom 29. Mai 1928).

30. Juni 1934: Was ist ein "Reichsbischof"?

6. Oktober 1936: Verdrehte Welt!

Nationalsozialistische Lieder mit "untergeschobenen" religiösen Texten oder umgekehrt?

26. November 1936: Was ist ein Dissident und vor allem, ist er ein Glaubensloser?

24. Oktober 1937: Maul- und Klauenseuche bei der GESTAPO

Sie greift um sich (...) In den umliegenden Dörfern sind ca. 40-50 Gehöfte verseucht, auch Schlierstadt ist betroffen. Es wird von der Kanzel verkündet, dass, wer es wünscht, seine Stallungen aussegnen lassen kann. Daraufhin erstattet die Frau des Ortsbauernführers (Name bekannt) eine Anzeige bei der GESTAPO-Außenstelle in Mosbach. Es werden Nach-forschungen angestellt -- ohne weiteren Erfolg!

Die Stallweihungen werden daraufhin sicherheitshalber eingestellt!

Die Seuche kam aber nicht durch das Weihwasser, das Geläut der Glocken, auch nicht durch den Pfarrer. Die Gerüchte gingen bis zu  Schuldzuweisungen wirr durcheinander.

So soll sogar ein verkappter Schlierstadter Kommunist die Seuche von einem Schefflenzer Kommunist importiert haben.

Die Ansichten über die Bekämpfung der Seuche gehen weit auseinander. Zuerst meinte man, wenn es nach dem trockenen Jahr regnen würde, dann wenn es gefrieren würde oder wenn die Arbeiter, die am Bahnbau arbeiteten, daheim bleiben würden. Natronlauge und Kalksteine erwiesen sich ebenso untauglich wie die Wachposten an den Ortsausgang nach Zimmern und das Abtasten der Kleider. Hühner und Katzen mußten eingesperrt werden. An einem Freitag ging der Gendarm von Seckach durchs Dorf und erschoß Hühner und Katzen, die sich blicken ließen. Strafzettel von 2,50 Mark kamen für ein freilaufendes Huhn nach dieser Aktion. Dadurch wurde die Angstpsychose immer größer. Eines Sonntags kam ein Mann ins Pfarrhaus: "Herr Pfarrer, Herr Pfarrer, geben sie mir ein Buch zu lesen, sonst werde ich noch verrückt".

20. November 1937: Schule und Kirche gesperrt

8. Dezember 1937: Straße wird freigegeben

24. Dezember 1937: KIrche wird freigegeben

(...) Verhandlungen mit dem Landrat waren ergebnislos. Über Weihnachten konnten nur etwa 250 Personen die Kirche besuchen. Wir mußten alle durchhalten, da kein Organist und Kirchenchor zur Stelle sein konnte. Der 15jährige Gymnasiast Richard Stich spielte bei den Gottesdiensten deutsche Lieder. Am 21. Januar war dann die Seuche soweit erloschen und der Kirchenbesuch wieder normal. (...)

21. Juli 1938: Tödlicher Verkehrsunfall

Morgens um 6:08 Uhr verunglückte Erna Maria Wallmann mit ihrem Rad auf der Straße von Zimmern nach Seckach auf unerklärliche Weise mit dem herankommenden Lastwagen. In furchtbarem Zustand wird sie ins Krankenhaus nach Buchen verbracht und stirbt dort um 01:00 Uhr ohne wiedererlangtes Bewußtsein. Die hl. Ölung empfing sie noch. Die ganze Gemeinde war in großer Bestürzung. Große Anteilnahme bei der Beerdigung am 24. Juli - Memento mori

(Anm.:  frei übersetzt: „Bedenke, dass du sterben musst“).

17. Mai 1939: Schlierstadt hat 692 Einwohner

Einen weiteren Bericht aus der Vorkriegszeit finden Sie in der Rubrik 33, dort unter "Schüsse auf den Gekreuzigten"

30. April 1940: Das erste Kriegsopfer aus Schlierstadt

Willi Klingenfuss ist am 3. April 1940 als erstes Kriegsopfer im Ort zu beklagen. Gegen Ende des Jahres stehen aus der Pfarrei ca. 80 Mann in Wehrmacht oder Arbeitsdienst. Im Rahmen des Möglichen erhalten sie vom Pfarramt Post.

(Anm.: Das menschenverachtende Nazi-Regime und in dessen Folge der 2. WK hinterlassen auch in Schlierstadt ihre blutige Spuren...über 37 Gefallene und 23 Vermißte...60 Soldaten: Väter, Söhne, Brüder...ein sehr hoher Preis für eine kleine Gemeinde! -- Auch im 1. WK zahlte Schlierstadt einen hohen Blutzoll: von 159 Kriegsteilnehmern kehrten 37 Soldaten nicht mehr zurück!)

Tafel der Gefallenen und Vermißten des 2. Weltkrieges auf dem Schlierstadter Friedhof. Teilnehmer des 1. Weltkrieges siehe unten.
Tafel der Gefallenen und Vermißten des 2. Weltkrieges auf dem Schlierstadter Friedhof. Teilnehmer des 1. Weltkrieges siehe unten.

Es fallen (um nur einige zu nennen, deren genaues Sterbedatum bekannt ist):

1940

9. Juni: Karl Kiphan und

    Rudolf Hennrich

6. Juli: Jakob Zettl

1941

  6. April: Heinrich Kick

30. Juli: Alfons Julius

      Wallmann

  1. August: Alois Gramlich

  8. August: Hilarius Aloisius Stich

1942

22. Januar: Anton Wallmann

14. Juni: Arthur Weber

20. August: Ludwig Zöller

      und Otmar Herkert

  8. Oktober: Karl Weber

21. November: August

      Grimmer und Erwin

      Genzwürker

1944

  7. April: Alfred Owart

26. August: Karl Gehrig

      und Alfred Niegel

  8. Oktober: Albert Öppling

  5. November: Franz Müller

Teilnehmer des 1. Weltkrieges
Teilnehmer des 1. Weltkrieges

25. Januar 1941: Verwendung von Schulräumen zu kirchlichen Zwecken

(siehe nebenstehende Anordnung der GESTAPO, Staats-polizeileitstelle Karlsruhe)

 

Januar 1941: 2 neue Glasfenster für die Kirche

Ende Januar wurden 2 Glasfenster bei einer Firma in Heidelberg bestellt. "St. Michael" (Abb. 1, gestiftet von Frau G. Kiphan für RM 275,-- und Maurermeister J. Mackert für RM 250,--) und "St. Wendelinus" (Abb. 2, gestiftet von W. Hennrich für RM 500,--). Alle Fenster tragen die Namen der Gefallenen. In der Woche vor Pfingsten werden die neuen Fenster eingesetzt zum Preis von RM 1.100,--. Am Pfingstmontag ist die Weihe mit Gefallenenehrung. Weiters werden in Laufe des Jahres von Rosa Wallmann und Familie Stich zwei weitere Fenster gestiftet.

(Anm.: Diese und andere schöne farbige Glasfenster wurden in den 1960er Jahren entfernt. Waren sie vielleicht ein Opfer der sog. "Modernen Zeit", die Willkür eines Einzelnen oder hatte es andere Gründe? Was auch immer den/die dafür  "Verantwortlichen" dazu bewogen hat...ein allgemeines Unverständnis ist ihm/ihnen für alle Zeiten sicher! Über den Verbleib der Fenster gibt es keinerlei Unterlagen.

Was das Deckengemälde (Abb. 3 und 4) betrifft: Da die komplette Decke des Kirchenschiffs wegen Absturzgefahr (Fäulnis im Gebälk) bei der letzten Renovierung komplett abgeschlagen wurde, blieb natürlich auch das Deckengemälde dabei "auf der Strecke" und wurde aus Kostengründen nicht mehr neu aufgebracht...Schade!).

Aber...

...neueste Informationen dazu finden Sie in unserem Buch "St. Gangolf --  Ein Streifzug durch die Geschichte und Renovierung der Kirche".

Ostern 1941: Ausflug nach Amorbach

Hintere Reihe (v.l.n.r.):

1. Gerhard Heß

2. Pfarrer Josef Krämer

3. Albrecht Wallmann

4. Messner Gregor Wohlfahrt

5. Karl Stich

 

Mittlere Reihe:

1. Elisabeth Ernst

2. Maria Öppling

3. Maria Nickel

4. Maria Gramlich

 

Vordere Reihe:

1. Helmut Matt

2. Helmut Kaufmann

3. Erich Genzwürker

4. Hugo Hornung

17. März 1946

Ostflüchtlinge kommen in das Lager "Teufelsklinge", wir nehmen ca. 50 hier auf. Sie sind durchweg unseres Glaubens.

1946: Bürgermeisterwahl

Hugo Herkert, Bürgermeister von 1946-48 und 1954-62
Hugo Herkert, Bürgermeister von 1946-48 und 1954-62

30. März 1946

Die Bürgermeisterwahl geht unentschieden aus.

 

4. April 1946

Neuer Bürgermeister

In der Nachwahl wird als neuer Bürgermeister gewählt: Hugo Herkert, der erste Bürgermeister der KPD im Kreis.

29. Oktober 1946: Schlierstadt hat 971 Einwohner

Im Kreisflüchtlingslager Adelsheim befinden sich: 84 Personen

Im Kreisflüchtlingslager Schlierstadt befinden sich: 1.194 (!) Personen

1. Januar 1947

Das alte Jahr 1946 schließt ab mit einem bedeutenden Zuwachs der Bevölkerung durch die Ostflüchtlinge, die fast alle katholisch sind. Das neue Jahr kündet an: eine hl. Mission, einen neuen Pfarrer und, wenn alles gutgeht, den endgültigen Frieden dem armen deutschen Volke.

26. Mai 1947

An der Längsseite der Kapelle deutlich zu sehen: Das alte "Pfarrerskreuz". Die Kapelle wird jetzt "Am Pfarrersbild" genannt
An der Längsseite der Kapelle deutlich zu sehen: Das alte "Pfarrerskreuz". Die Kapelle wird jetzt "Am Pfarrersbild" genannt

Nachmittags war Maiandacht bei der Waldkapelle am Pfarrerskreuz

(Anm.: Im Walde gegen Hemsbach steht des "Pfarrersbild", ein Holzkreuz. Hierher wallfahren nicht nur Leute aus Schlier-stadt, sondern auch aus der Umgebung. Über die Bedeutung dieses Kreuzes bestehen verschiedene Ansichten. Früher wurde Schlierstadt einige Zeit durch den Pfarrer von Hemsbach mitversehen. Ein Pfarrer soll hier auf einem Versehgang beraubt und ermordet worden sein. An dem Platze, wo die heilige Hostie noch lag, hätte ein Licht geleuchtet. Nach einer anderen Erzählung wäre beim Versehritt das Pferd des Pfarrers stillgestanden, der Pfarrer hätte eine Erscheinung gehabt, die Ihm befahl, an dieser Stelle einen Wallfahrtsort oder einen Bildstock zu errichten. Der ursprüngliche Bildstock steht nicht mehr).

15. Dezember 1948: Beurteilung eines Lehrers

(...) im Verkehr mit der Bevölkerung erfreute er sich des besten Ansehens (...) dadurch hat er bei einigen rückständigen Personen Anlaß zu Urteilen gegeben, die sich erst später als aufgebauscht und unbegründet erwiesen haben (...) die religiöse Betätigung war vorbildlich, sowohl hinsichtlich des Besuches der hl. Messe, als auch des öfteren Sakramentenempfangs. (...)

31. Dezember 1948

(...) Die Jahreskommunionen gehen auf 21.215 zurück (Anm.: am 31.12.1947 waren es 25.600). Der Materialismus, der Dieseitskult und das Eheleben ohne Gott und Kind tragen die Schuld. (...)

(Anm.: Vergleiche dazu auch die Zahlen vom 31.12.1955).

22. Mai 1949: Tödlicher Verkehrsunfall

Heute verunglückte Ludwig Hügel mit seinem Motorrad tödlich. Er stürzte am Auffahrtsweg nach Schlierstadt bei Zimmern und brach sich dabei das Genick.

8. Juni 1949: Danksagung des Vatikans

Für die Übermittlung einer Glückwunschadresse der Schlierstadter Pfarrei, anläßlich des Goldenen Priesterjubiläums von Papst Pius XII., übermittelt der Vatikan seinen Dank.

13. September 1950: Schlierstadt hat 924 Einwohner

1./2. Juni (Pfingsten) 1952: Heimattag in Schlierstadt

Gangolf-Lied
Gangolf-Lied

Wie vor 25 Jahren waren die Frauen und Männer, deren Wiege in Schlierstadt stand, hierhergekommen, um sich wiederzusehen. Vorbereitung des Festes und des gesamten Arrangements lag in den umsichtigen Händen von Bürgermeister-Stellvertreter Josef Weber. Eine besondere Festschrift (Auszug s.u.) war noch herausgegeben worden. Der Festplatz mit Zekt war am Wäldchen. Das Wetter tadellos günstig. Der Festgottesdienst fand im Freien statt auf dem alten Friedhof mit Dekan Joseph Krämer, Mosbach, ehemals Pfarrverweser in Schlierstadt. Nachmittags war ein Festzug (siehe die folgenden 5 Abb.) und frohe Wieder-sehensfeier auf dem Zeltplatz. Am Pfingstmontag war Gottesdienst in der Kapelle am Pfarrersbild vom ehem. Pfarrverweser in Schlierstadt Augustin Geisert. Der Heimattag trug auch dazu bei, die Schlierstädter in Stadt und Land für die Heimat und die Heimatkirche zu begeistern.

(Anm.: siehe auch den Bericht vom 29. Mai 1928).

Anzeigen Schlierstadter Firmen in der Festschrift zum Heimattag 1952

(Anm.: Viele der nebenstehenden Firmen waren am damaligen Bau und der Reno-vierung der Kirche beteiligt...

...so in früheren Zeiten...

...und auch wieder heute (z. B. die Nachfolger) bei der jetzigen Renovierung

2012-2013).

Dank an ALLE!

1. August 1954: Einweihung des neuen Sportplatzes...

...durch Geistl. Rat Pfarrer Richard Schneider.

29. September 1954: Schwere Explosion in der "Klinge"

Das Foto zeigt eine der zerstörten Baracken
Das Foto zeigt eine der zerstörten Baracken

 

Kurz vor mittags 12 Uhr erschütterte ein lauter Knall die Luft, so daß die Fenster klirrten. Als bekannt wurde, die Feuer-werkskörper-Fabrik in der "Klinge" sei in die Luft geflogen, eilte ich sofort dorthin. Die Straße war gesperrt, weil immer noch Explosionen zu befürchten waren. Ich fand Durchlaß und sah nun das Unheil. Eine Baracke war in die Luft geflogen und brannte lichterloh. Schwere Baustücke waren bis auf die Straße geflogen. Leider hat das Unglück auch Menschleben gekostet. Eine Frau aus Adelsheim, die ein Tablett mit Knallkorken fallen ließ und das Unglück auslöste, wurde so schwer verbrannt, daß sie wenige Tage später an den Folgen verstarb. Der Pyrotechniker Raumschüssel erlitt ebenso schwere Brandwunden. Den Tod fand auch ein 22jähriges Mädchen. Der Luftdruck zerriß ihr, die nicht am eigentlichen Explosionsherd arbeitete, die Lunge. Blutbesudelt im Gesicht lag sie auf dem Rasen. Ich konnte ihr nur noch das hl. Öl spenden. Ihre Beisetzung hier auf dem Friedhof war eine Bekundung der Anteilnahme wie der Wertschätzung, die dieses Flüchtlingskind bei allen genoß. Sie hatte den Krieg gut überstanden und mußte so enden.       R.I.P.                        

25. September 1956: Schlierstadt hat 800 Einwohner

1. Juni 1957: Tödliches Unglück in der Eingasse

Ludwig Wilhelm Wallmann, ein altes Kirchenchor-Mitglied, verunglüct tödlich. Sein Pferd scheut vor einem Bagger in der Eingasse und geht mit dem Wagen durch. Wallmann will abspringen, bleibt an einer Kette hängen und wird mitgeschleift. Die Kopfhaut ist abgezogen, innere Brustverletzungen fordern die Überführung ins Krankenhaus Buchen. Dort stirbt er an inneren Verletzungen auf dem Operations-tisch. Ein im Vereinsleben rühriger Idealist stirb so allzu früh.             R.I.P.

18. Juli 1957: 91jährige in Schlierstadt

 

6. Juli 1958: Schweres Unwetter

Am Tag des Goldenen Priesterjubiläums von Pfarrer Götzinger in Rosenberg geht hier am Nachmittag ein schwerer Wolkenbruch nieder, doch ohne Hagel. Stundenlang schüttet es vom Himmel. Der Ortsbach tritt über das Ufer  und überschwemmt das Tal, so daß die Verbindung zu den Ortsteilen beiderseits des Baches, selbst über die Brücke, keine Verbindung mehr hat. Viel aufgesetztes Holz wird weggeschwemmt, Wiesen mit Geröll und Unrat bedeckt, auch viel Federvieh ertrank. Der Weg nach Zimmern war ein reißender Bach und so voll Wasser, daß kein Verkehr möglich war. Der Kirchchor von Messkirch bei Freiburg, der mit seinem Dirigenten Bruno Hamann im Amte sang, konnte erst am Spätnachmittag seine Heimreise antreten, nachdem das Wasser die Straße wieder frei gab.

27. Juli 1958: Goldenes Priesterjubiläum

Geistl. Rat Ehrendekan Pfarrer Georg Bernhard Götzinger (Ehrenbürger von Rosenberg und Schlierstadt) feiert heute in seiner Heimatgemeinde sein 50. Priesterjubiläum nach. Der Ort hat sich seinen Festschmuck angelegt und herausgeputzt. Um nur einiges zu nennen (siehe die folgenden 6 Abb.): Fahnen im ganzen Ort, ein großer, schöner Triumphbogen im "Oberländle", ein Blumenteppich vor dem Elternhaus, Abholen in der Kutsche, Festpredigt durch Pfarrer Magnani, Gratulationen vor dem Pfarrhaus, Festessen im "Badischen Hof".

11. November 1958: Frühgeschichtliche Funde

Das Dunkel über der Frühzeit hat sich etwas gelichtet. Bei Grabarbeiten für die Kanalisation wurden im sog. "Oberländle", wo starke Quellen schon immer aus dem Berg treten, in 3m Tiefe interessante Feststellungen gemacht. Zunächst konnte genau festgestellt werden, daß sich dort einmal ein See oder Sumpf befand, der den Namen für den Ort abgab. Denn Schlierstadt kommt von Slir, See, Sumpf; die Stätt, der Ort am See oder Sumpf. Ferner wurden starke Holzstücke ausgehoben, darunter ein zugehauener Balken, der als Eckpfosten eines Gebäudes diente. Da er am Rande des ehemaligen Sees gefunden wurde, ist anzunehmen, daß er einem Gebäude diente, das zu sakralen Zwecken am Rande des Sees stand. Der Balken konnte etwa ein Eckpfosten der ersten Kirche in Schlierstadt gewesen sein, die als Holzkirchlein  an dem Quell-heiligtum zu Ehren des Hl. Gangolf errichtet wurde und später dann auf festerem Grund der Steinkirche wich, die an heutiger Stelle als zweiter oder dritter Kirchenbau errichtet wurde. Leider konnten wegen der Boden-verhältnisse keine weiteren Grabungen vorgenommen werden, die Licht in die dunkle Vergangenheit des Ortes gebracht hätten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Bild zeigt die neuesten Funde: dicke Pfähle, die deutlich erkennbar zugespitzt waren und Knochen, deren Herkunft erst geprüft werden müssen

2. Februar 1960: Schöne Maurerleistung

Die beiden jungen Maurer Karl-Heinz Hamann (links) und Karl Türschel legen handwerklich schöne Rabatte in freiwilliger Arbeit beiderseits des Treppen-aufgangs zur Kirche an.

20. Januar 1961: Empfang des neuen Pfarrherren

Die gesamte gläubige Bevölkerung bereitete ihrem neuen Pfarrherrn Arthur Oswald einen herzlichen Empfang. Das Foto links zeigt den Augenblick, als der neue Ortsgeistliche sich erstmals im Priestergewand den Gläubigen seiner jetzigen Kirchengemeinde zeigte. An der feierlichen Investitur (29.1.1961) nahm die ganze Gemeinde herzlich Anteil. In feierlichem Zug, begleitet von Dekan Ackermann (Mudau), Stadtpfarrer Schmitt (Buchen) und Pater Superior Scholl (Missionskonvikt Buchen), weißgekleideten Mädchen, der Musikkapelle, dem Kirchenchor, dem Gemeinde- und Stiftungsrat sowie zahlreichen Gläubigen, wurde Pfarrer Oswald zur Kirche geleitet (Abb. unten). Die eigentliche Investitur von Pfarrer Oswald vollzog sich durch die Übergabe der Schlüssel für das Kirchenportal, den Taufstein und den Tabernakel sowie mit der Überreichung des Evangelienbuches. Pfarrer Oswalds Investitur in Schlierstadt wurde von der ganzen Pfarrei mit Freude aufgenommen. Das feierliche Hochamt, die festlichen Gesänge des Kirchenchores, Gedichtvorträge vor und nach dem Gottesdienst  gaben dem Ganzen einen gehaltvollen Rahmen.

 

 

 

Pfarrer Oswald bei der Einführung in sein Amt als Geistlicher von Schlierstadt.

Von links: Pater Superior Scholl, Pfarrer Oswald und Stadtpfarrer Schmitt (Buchen)

 

 

 

 

 

 

 

Ankunft von Pfarrer Oswald

15. Oktober 1961: Wallfahrt auf den Engelberg

Alte Postkartenansicht vom Kloster Engelberg
Alte Postkartenansicht vom Kloster Engelberg

(...) ...mit der Pfarrei gemacht, bei herrlichem Wetter; am Gnadenaltar zelebriert. (...) (Anm.: Eintrag von Pfarrer Oswald).

6. Juni 1961 : Schlierstadt hat 755 Einwohner

2. Januar 1962: Tod von Pfarrer Oswald

Ende Dezember stirbt Pfarrer Karl Arthur Oswald (geb. am 25.4.1900), an den Folgen eines Herzinfarktes im Buchener Krankenhaus. Eine große Trauergemeinde, nebst Kommunionkindern (Abb. 1), erwieß ihm in der Schlierstadter Pfarrkirche, wo er auch aufgebahrt wurde (Abb. 2), die letzte Ehre. Das Totenoffizium und Seelenamt hielt Pfarrer Ackermann, ebenso die Gedenkpredigt bei der Beerdigung in Wiesental, wohin der Verstorbenen überführt wurde.

(Anm.: Die auf Abb. 1 gezeigten Kommunion-Mädchen mußten die Zeit während der Trauermesse, mit brennenden Kommunionkerzen, neben dem geöffneten(!) Sarg ausharren...eine Zumutung für 9-10jährige Mädchen!).

14. Juni 1962: Begrüßung des neuen Pfarrers

Geistl. Rat Friedrich Stoll bei seiner Begrüßung vor der Pfarrkirche (rechts daneben Bgm. Arthur Stich)

22. August 1962: Empore etc.

(...) mit einer unmöglichen Empore, die von außen auf 2 Freitreppen mit völlig ausgetretenen Stufen zugänglich ist.

Auf der Empore "residiert" neben dem Kirchenchor die Männer- und Jung-männerwelt...

...seelsorgerich gesehen untragbar!

(Bemerkung von Pfarrer Stoll).

30. November 1963: Kirchliche Weihe für das OKW

Aufnahme von 1968
Aufnahme von 1968

An diesem Tag darf ich dem "OKW" die kirchliche Weihe geben. Das OKW ist ein Teilwerk der Odenwälder Kunststoff-werke von Dr. Schneider, Buchen, das in enger und kluger Zusammenarbeit mit und von der politischen Gemeinde für DM 403.000,-- hier neu gebaut wurde und 80-90 Frauen und Männern gut bezahlte Arbeit gibt. Durch das OKW hat Schlier-stadt den Anschluß an die Indus-trie gefunden, was sich auch für die Kirchengemeinde, besonders im Hinblick auf die künftigen Bauvorhaben, günstig auswirken wird.

(Anm.: Das damalige Schlierstadter OKW ist seit 1998 das jetzige eigenständige BKW = Bauländer Kunststoffwerk).

13. Dezember 1963

Penetranter Ungehorsam

(...) Die Bohrarbeiten fordern den Ausbau der zwei letzten Kirchenstühle, die wegen der "guten Aussicht" hartnäckig von einigen Frauen besetzt wurden, obwohl sie für die Herren Gemeinde- und Stiftungsräte vorgesehen waren (...)

29. Dezember 1963

Denunziantentum

In den letzten Tagen des Jahres teilte mir der Herr Dekan mit, daß ich von einer Frau im Ort  in einem sehr scharfen anonymen Brief beim Erzbischof "verpfiffen" wurde, weil ich die Beerdigungen von der Kirche und nicht vom Trauerhaus aus halte. Ich nehme das nicht tragisch!

Das Sprichwort sagt: fränkisch - zänkisch!

31. Dezember 1963: Schlierstadt hat 794 Einwohner

1. Januar 1964

Spendenfreudige Bürger

Gleich am Neujahrstag hatten wir die 1. Sonderkollekte für die Renovierung der Kirche, die künftig 1-2 mal monatlich erfolgen soll. Sie bringt 375,-- DM. Das Weihnachtssingen der Kinder am 5. und 6. Januar ergibt 468,-- DM. Sicher ein guter Anfang!

Januar/Februar 1964

"Saubere" Veranstaltungen

Die Einladungen zu den verschiedenen Fastnachtsveranstaltungen (am 26.1. die kath. Landjugend unter der Regie der Herren Lehrer, am 2.2. der Sportverein mit Herrn Gehrig, am 4.2. die Schulkinder und Lehrerschaft und am 6.2. erstmals die Frauenfastnacht) nehme ich gerne an. So ist bestens dafür gesorgt, das es dabei froh und sauber zugeht!

7. April 1964

"Kinderarbeit"

(...) beginnen mit viel Eifer die Schulbuben an der Rückwand der Kirche mit dem Abschlagen des Verputzes. (...)

3. Mai 1965

Beachtliche Spenden

Auf Anregung des Bürgermeisters halten wir im "Badischen Hof" einen Heimatabend zu Gunsten der Renovierung ab. Lichtbilder über Schlierstadt werden gezeigt. Die Musikkapelle stellt sich unentgeltlich zur Verfügung. Der Abend erbrachte 285,-- DM. Bei der Sonderkollekte am nächsten Morgen in der Kirche wurden 511,-- DM geopfert. Bei rund 800 Einwohnern ein beachtliches Tagesergebnis!

4. September 1965

Heute war der Photograph im Kindergarten

Es hatte geregnet, etwas abgekühlt und alle holten die Westen heraus. Aber es war -- wie man an den Gesichtern ablesen konnte -- trotzdem eine lustige Angelegenheit, auch wenn man lange stillsitzen mußte.

23. November 1966

Tödlicher Verkehrsunfall

Auf dem Weg zur Kirche verunglückt Geistl. Rat Pfarrer i.R., Ehrendekan und Ehrenbürger von Rosenberg und Schlierstadt, Georg Bernhard Götzinger in Schlierstadt tödlich durch einen tragischen Verkehrsunfall. Beim Gang zur hl. Messe ist er beim Überqueren der Fahrbahn auf eisglatter Straße mit einem Mopedfahrer zusammengestoßen und mit dem Hinterkopf auf die Bordsteinkante gestürzt, dabei erlitt er einen Schädelbasisbruch. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wird er am 26.11.1966 in Schlierstadt zur letzten Ruhe geleitet.                             R.I.P.

29. August 1976

Weihe der restaurierten Barock-Orgel

6. November 1978

Bildstock verschwunden

(...) müssen wir mit Bedauern feststellen, daß der Bildstock auf dem Flurstück Nr. 414, der nicht nur dörfliches Kulturgut ist, sondern auch am Fronleichnamstag zum Aufbau des Altares dient, heimlich abgebaut und entfernt wurde. Sollte der Bildstock verkauft worden sein, würde diese Handlungsweise von niemand verstanden werden, zumal er an einem anderen Ort, außerhalb unserer Gemarkung, nicht die Bedeutung hat, wie dies hier der Fall ist. (...)

(Anm.: Das Foto zeigt den Bildstock an seinem ursprünglichen Standort an der Seckacher Straße/Ecke Angelweg. Seine Spur verliert sich bei einem Steinmetz-betrieb im Umland...).

Zwischen 1979 und 2010 gibt es keine bekannten Aufzeichnungen!

Einweihung des Platzes vor der alten Volksschule am 4. Juni 2011 durch Pfarrer Martin Drahtschmidt

Das Foto zeigt (v.l.n.r.): 

Michael Schwebler, Vorsitzender der Teilnehmergesellschaft der Flurbereinigung

    Schlierstadt

Markus Hüblein, Leiter des Fachdienstes Flurneuordnung und Landentwicklung

    beim Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises

Dr. Achim Brötel, Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises 

Jürgen Galm, Bürgermeister von Osterburken

Jürgen Breitinger, Ortsvorsteher von Schlierstadt

Martin Drathschmidt, Pfarrer der Seelsorgeeinheit Adelsheim-Osterburken-

     Seckach